Archiv der Kategorie: CBM

Alte Webnews 2016

Anders als in meinem Nachlese-Experiment will ich mich heute, am letzten Tag des Jahres, auf die (wenigen) Meldungen beschränken, die in den News-Meldungen des zweiten Halbjahres zu den Stichworten „C64“ und „Commodore“ aufgetaucht sind.

Ende August wurde es durch eine Pressemitteilung von iComp offiziell: „Neue C64-Gehäuse ab Weihnachten 2016“. Einige Internet-Magazine griffen das auf [Gamestar, t3n]. Und im Shop der RETURN kann man sie (vor)bestellen (Bildquelle der Rendergrafik: RETURN).

Neue C64 Gehäuse (iComp)

Im September machte eine Meldung über einen C64c, der bereits seit 25 Jahren in einer polnischen Autowerkstatt seinen Dienst verrichtet, die Runde [PC-Welt, Gamestar, t3n]. Das Gerät sieht zwar inzwischen äußerlich arg mitgenommen aus, doch konnten Werkstattstaub und Schmiermittel der robusten Hardware anscheinend nichts anhaben. Es ist angeblich auch nicht geplant, das Gerät in naher Zukunft durch moderne Technik zu ersetzen.

Es war Oktober, als Ricardo Quesada sein „Commodore Home“ genanntes Heimautomatisierungs-­system mit dem vielsagenden Untertitel „Home automation for the masses, not the classes“ publizierte. Bisher habe ich dazu nur eine deutschsprachige News gefunden [t3n], was schade ist, denn dieses „smarte“ System verdient größte Aufmerksamkeit. 😉

Dass die dunkle Jahreszeit Programmierer besonders inspiriert (was soll man schon mit seiner Freizeit anfangen, wenn man nicht in der Sonne sitzen oder liegen kann), ist ja nicht neu. Da enstehen dann schon mal mehr oder weniger zwecklose Produkte. Im November konnte man lesen [iX, t3n], dass es gelungen war, einen C64-Client für den Instant-Messaging-Dienst Slack zu programmieren (in 6502 Assembler). Allerdings wurde für den Netzzugang ein Rasperry PI benötigt und da fragt man sich, wozu da noch der C64 erforderlich war; was uns entweder zu Satz Nummer Zwei in diesem Absatz zurückbringt oder die übliche Antwort provoziert: weil es geht!

Auch der Dezember lieferte zwei interessante Meldungen. GamingGadgets berichtete über einen sehr speziellen PET-„Nachbau“. Die Originalmeldung (und das Foto) kommt vom Blog Adafruit. Das mittels 3D-Druck hergestellte Gerät beinhaltet einen Arduino-Controller und ein 144-Pixel (LED) Display. Anders als im Artikel auf Gaming Gadgets dargestellt, ist das natürlich eine viel geringere Grafikauflösung als beim Original PET. Das ganze ist ein nettes Spielzeug, mehr nicht.

Miniatur PET (Ruiz Brothers

Mehr Kunst als Spielkrams präsentierte, wie Spiegel Online berichtete, hingegen Raquel Meyers auf dem 33. Chaos Communication Congress (33C3) in Hamburg. Denn ihre Pixelkunst auf dem C64 ist durchaus ernst gemeint.

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Cassiopei Nummer Zwei!

Cassiopei V2Das Cassiopei, eine schnelle Festspeicherlösung für den Kasettenport aller mit einem ebensolchen ausgerüsteten CBM-Computer (PET, CBM, C64, C128, C16, etc.), ist schon lange ausverkauft und inzwischen auch etwas in die Jahre gekommen. Daher präsentierte der Entwickler, Jan Derogee, auf der Classic Computing in Nordhorn – wie berichtet – keine Neuauflage der alten Hardware sondern gleich eine Weiterentwicklung mit SD-Card und WiFi-Anbindung.

Wie mir jetzt ein Mäuschen geflüstert hat, sind inzwischen die ersten Vorserien-Leiterplatten eingetroffen und erwarten ihre Bestückung. Offensichtlich ist es Jan ernst mit seiner Ankündingung vom September, dass das Projekt spätestens in einem Jahr in einem verkaufsfähigen Produkt endet.

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La Linea on PET

Wer kennt sie nicht, die La Linea-Demo für den C64 von Breeze? Die atemberaubende Umsetzung der bekannten La Linea-Filme erfolgt dabei in Vektorgrafik. Auf einem PET bzw. CBM-Rechner läßt sich sowas nicht anzeigen, sollte man denken. Das stimmt, stimmt aber auch nicht. Statt einzelner Pixel hat man nur den Standard-CBM-Zeichensatz und statt Vektorgrafik ist allenfalls ein Abspielen von Einzelbildern (Streaming) möglich aber immerhin, es ist möglich. Jan Derogee, zeigte es auf der Classic Computing in Nordhorn auf seinem CBM 3032:

Zur Umsetzung dieses Projektes waren zwei Voraussetzungen zu erfüllen: 1. Die Realisierung einer ausreichend schnelle Übertragung großer Datenmengen und 2. Eine Methode, um den Originalfilm in PETSCII-Zeichensalat zu konvertieren.

La Linea Infoblatt (Vorschau) Wie man dem nebenstehenden Infoblatt entnehmen kann, wurde das erste Problem dadurch gelöst, dass  Jan Derogee auf die von ihm entwickelte Hardware Cassiopei zurückgriff. Das Gerät hängt zwar am Kasettenport, benutzt jedoch ein eigenes viel schnelleres Übertragungsprotokoll. Zusätzlich wurde noch ein Videoformat entwickelt, das eine Datenübertragung mittels Deltacompressing ermöglicht. Es werden dabei keine ganzen Frames (Einzelbilder) sondern nur veränderte Bildbereiche übertragen. Somit war eine ausreichende Bildrate gewährleistet. Das zweite Problem erledigt ein PC. Jan hat dazu ein noch unveröffentlichtes Programm in Visual Basic geschrieben, dass ein Video in Einzelbilder splittet und diese jeweils in ein Schwarz-Weiß-Bild konvertiert (mit Dithering). Diese Bilder wiederum werden in 1000 Kacheln (40×25) zerlegt, die jeweils ein 8×8 Bitmuster repräsentieren. Jedes so erhaltene Bitmuster wird dann durch das bestpassende PETSCII-Zeichen ersetzt. Wie man oben sehen kann, ist das Ergebnis durchaus beeindruckend.

Aufgrund der limitierten Passgenauigkeit der PETSCII-Zeichen nimmt die Bildqualität so erzeugter Videostreams stark ab, wenn die Videos zu detailreich werden. La Linea ist daher diesbezüglich ein dankbare Vorlage. Eine erhöhte Videoqualität ergäbe sich mit einem optimierten Zeichensatz. Sowas funktioniert dann allerdings nicht mehr mit einem CBM-Rechner jedoch gut mit einen C64. Und deshalb ist im PC-Programm die optionale Erzeugung eines optimierten Zeichnensatzes bereits enthalten. Man darf daher gespannt sein, was da demnächst noch über den Bildschirm flimmert.

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Einer für alles: PetBus

Das, aus meiner Sicht, derzeit aufregendste neue Stück Hardware, das auf der Classic Computing gezeigt wurde – und es gab da starke Konkurrenz -, hatte Entwickler Stephane Ghenne aus Belgien auf seinem Tisch stehen: Eine quadratische Platine, den PetBus, der diverse Anschlussbuchsen für Commodore-Peripheriegeräte hat. Eigentlich waren es vier solcher Platinen, die über Netzwerkkabel verknüpft waren. An jedem PetBus hingen wiederum diverse Computer (CBM, C64) bzw. Floppies (1541, 1581, CBM 2031, SD2IEC).

PetBus-Platine
Nahaufnahme von der PetBus-Platine (V 1.0) mit ihren vielfältigen Anschlussmöglichkeiten

Der PetBus erlaubt es allen angeschlossenen Commodore-8-Bit-Rechnern auf jedes angebundene Floppylaufwerk (oder auch eine Drucker) zuzugreifen und löst gleichzeitig die IEEE488 vs. IEC-Bus-Problematik auf, die bisher spezielle (oft inkompatible) Steckmodule oder Speziallösungen erforderte. Aufgrund der Netzwerkfähigkeit ist das ganze auch über größere Entfernungen möglich bzw. skalierbar. Abgerundet wird das ganze dadurch, dass man auch virtuelle Laufwerke auf einem angeschlossenen PC einrichten kann.

Auf der CC wurde angeregt, den kabelgebundenen Netzwerkanschluss durch ein WiFi-Modul zu ersetzen. Ich persönlich würde mich eher über eine Unterstützung des C128-Burst-Modus oder von JiffyDOS freuen. Stephane selber denkt mehr über ein passendes Gehäuse nach. Allerdings wäre mir all das egal, wenn es den PetBus nur schon zu erwerben gäbe, doch bisher sind nur Prototypen verfügbar.

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Nachlese Juni 2016

Vor einem Monat hatte ich mich ja gefragt, wo der Postbote bleibt. Nun, die erwartete RETURN war zwei Tage später im Briefkasten und hat viel Spaß beim Lesen bereitet. Die Geschichte, wie aus der CeVi-Aktuell die RETURN wurde, war mir zwar bekannt, aber viele Randdetails, die der Artikel zum mehr als 100-seitigen Jubiläumsheft (25.  Ausgabe) offenbarte, waren auch für mich neu. Dabei hatte ich mit Frank so einige Zeit auf der einen oder anderen Hobby und Elektronik verbracht, da hätte er ja auch mal etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern können. An die Dortmunder HobbyTronik (R.I.P.) erinnerte mich der Paperboy-Artikel wenige Seiten weiter hinten. Damals, im Jahr 2003, hatte Skern vom Dienstagstreff ein Fahrrad als Steuergerät für Paperboy modifiziert und damit eine sehr spezielle und schweißtreibende „Virtal Reality“ erzeugt.

Der Bogen von der gedruckten RETURN zu einer Neuerscheinung im Bereich der 8-Bit Publikationen, dem englischsprachigen Kilobyte Magazine, läßt sich leicht schlagen. Ist doch der Herausgeber des neuen Magazins der Gründer der CeVi-Aktuell. Wie finchy im Forum64 verkündete, soll das Magazin mehrmals jährlich erscheinen und das nur auf Englisch. Eine deutschsprachige Ausgabe ist nicht geplant. Die Veröffentlichung des neuen PDF-Magazins erfolgt nur auf der ISSUU-Plattform. Leider muss man dazu Java Script und Flash aktivieren. Ein einfacher Download des 14 MB umfassenden PDFs für einen gepflegten Lesegenuss im Offline-Modus ist auch nicht möglich, denn der setzt eine vorherige Anmeldung voraus. Dabei ist das 24-seitige Magazin ansprechend gestaltet und auch inhaltlich attraktiv. Um diesem Dilemma abzuhelfen, biete ich hier mal probeweise einen direkten Download von C128.Net an.

Anfang des Monats war „Das Innenleben des Commodore 64Telepolis einen „Artikel“ wert. Ein Schelm, der böses dabei denkt, dass dieser Auszug aus der aktuellen Retro Gamer 3/2016 nur deshalb publiziert wurde, weil beides irgendwie zum Heise Verlag gehört. Trotzdem, danke für diese Leseprobe!

Space ChaseSpace Chase, das allerbeste Weltraumballerspiel, das je für die Computer der CBM-II Series (bekannter als Commodore 610, 620, 710 and 720) programmiert wurde, ist in einer neuen Beta-Version erschienen. Es muss das Beste sein, denn es ist das Einzige. Zwei Spieler können gegeneinander antreten oder man fetzt sich mit dem Computer.

Die Bilder und Beschreibungen, die Programmierer Christian Krenner auf seiner eigens für diesen Zweck eingerichteten Space-Chase-Webseite publiziert hat, sind vielversprechend. Und da die CBM-II Rechner über reichlich Speicher verfügen, besteht auch wenig Sorge, dass die bereits avisierten Erweiterungen des Spiels an RAM-Mangel scheitern. Zum Testen der aktuellen Beta kann ein Disk-Image heruntergeladen werden. Wer die erforderliche Hardware nicht besitzt, also ungefähr 99,999 % der Weltbevölkerung, kann auf den Emulator VICE zurückgreifen.

Man kann den Monat Juni nicht zusammenfassen, ohne auf den Brexit einzugehen. Es war die diabolische Kombination von Populismus, Lüge und Dummheit, die die Briten am 23.6.2016 erfolgreich aus der EU herauskatapultiert hat. Es bleibt abzuwarten, was das für Soft- und Hardware von der Insel bedeuten wird. Als ob es nicht schon ärgerlich genug ist, für Produkte aus den USA Zoll zu zahlen (und dafür weite Wege ins Zollamt anzutreten).

Zum Abschluss ein kleiner Teaser: Die beste Meldung für diesen Monat, erreichte mich am 26. Juni und sie betrifft den Commodore 128, aber ich bin heute mal fies und hebe mir diese Info für den nächsten Monat auf.

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Killerpoke für VICE

Der „Killerpoke“ (oder „Killer-Poke“) ist wohl eines der kuriosesten Phänomene in der Geschichte der CBM-Computer. Man kommt einfach nicht darum herum, ihn irgendwann zu erwähnen und er hat es sogar bis in die englische Wikipedia gebracht. Doch während dieser Softwarebefehl tatsächlich in der Lage ist Schaden an echter Hardware auszulösen, bleibt der Emulator VICE davon unbeeindruckt.

Killerpoke für VICEEin Klick auf dieses Bild startet ein kurzes Video

Bei meinen Untersuchungen zu einem spielunfreudigen CBM 8032 bin ich jedoch unlängst auf einen „Killerpoke“ für VICE gestoßen. Wie im Artikel vom Dezember nachzulesen ist, kann man mit nur zwei POKEs bei CBM-Rechnern (die mit einem 6545 CRTC-Videochip ausgerüstet sind) die Anzahl der Rasterzeilen pro Textzeile umdefinieren, damit zusätzliche Rasterleerzeilen erzeugen und so die Lesbarkeit des Textes verbessern:

POKE 59520,9: POKE 59521,X : REM Selektiere Register 9 & setze Wert X

Wenn man den Wert X unter den Standardwert 7 absenkt, wird die Anzahl der dargestellten Raster­zeilen verringert und man sieht Zeichen, die unten „abgeschnitten“ sind. Man könnte sich vorstellen, dass, wenn man den Wert schrittweise von 7 bis Null reduziert, die Zeichen in sich zusammenfallen und damit ein schöner Demo-Effekt entsteht. Ob das ganze auf echter Hardware funktioniert oder ob diese darauf verschnupft reagiert, konnte ich nicht prüfen, da mein eigener 8032 schon defekt ist. Ich will auch niemanden auffordern, sein Gerät durch solche Experimente eventuell zu schrotten. Aber ein Emulator sollte das irgendwie darstellen können … dachte ich.

Interessanterweise reagiert VICE auf die Verringerung von X etwas unerwartet. Die Werte von 7 bis 2 liefern das gewünschte Ergebnis. Die Zeichendarstellung wird bis auf zwei Rasterzeilen reduziert. Die Werte 1 und Null führen hingegen dazu, dass der Emulator (also die emulierte Hardware) einen Totalcrash hinlegt. Dieser Crash zieht nicht nur die Emulation in den Abgrund, sondern gleich das ganze Programm. Das Menü ist nicht mehr ansprechbar, die Anwendung ist tot. Getestet wurde die 4032 und die 8032-Emulation mit VICE 2.4 unter Windows 8.1.

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Dieser CBM 8032 spielt nicht gern

StarCruiser auf einem zum CBM 8032 umgebauten CBM 4032Er war mir schon auf der letzten Classic Computing aufgefallen und als ich ihn auf der Hobby & Elektronik wiedersah, war klar, dass das dahinter stehende Rätsel gelöst werden musste.

Ein CBM 8032 (genauer gesagt ein zum 8032 umgebauter CBM 4032) zeigte im Text/Grafik-Modus die für den Textmodus (Groß-/Kleinschrift) typischen leeren Rasterzeilen zwischen den Textzeilen und sowas sieht bei Spielen einfach blöd aus.

Aufgefallen ist dies bei Verwendung des bekannten 40-Zeichen-Patches “CBM4032 ANY HZ” von Wolfgang Guenther, der hier benutzt wurde, um die auf einem CBM 4032 lauffähigen ActionGames auch auf einem CBM mit 80-Zeichen-Bildschirm spielen zu können. Dabei wird das Bild mittig und etwas gequetscht dargestellt (soweit korrekt) aber leere Rasterzeilen dürften nicht vorhanden sein.

Stochern im Nebel
Motiviert von kpanic vom Stand des Vereins zum Erhalt klassischer Computer (denn dort war der Rechner ausgestellt) versuchten wir zusammen diesem Phänomen noch auf der Messe in Stuttgart tiefer auf den Grund zu gehen. Doch in der Messehektik fehlte einfach die Zeit für eine eingehende Analyse.

Was wir noch herausfanden, war die Erkenntnis, dass die Steuercodes, die auf einem CBM 8032 den Zeichensatz umstellen (und dabei auch dafür sorgen, dass im Textmodus die zusätzlichen Leerzeilen eingefügt werden und im Text/Grafik-Modus nicht) nach Aktivierung des 40-Zeichen-Patches nicht mehr funktionieren. Die „klassische“ Zeichensatzumstellung mittels POKE 59468,12 bzw POKE 59468,14 half ebenfalls nicht weiter, denn diese betraf ja nicht die Art wie der CRTC-Grafikbaustein die Zeilen(abstände) darstellte.

Es war klar, das ein, zwei POKEs helfen würden, den Zeilenabstand zu korrigieren. Doch es war zum einen unklar, warum das überhaupt erforderlich war, denn normalerweise sollte der Patch die korrekte CRTC-Konfiguration von sich aus einstellen und zum anderen fehlte uns auf der Messe die nötige Ruhe, um die Dokumentation zum CBM zu sichten, den Fehler zu lokalisieren und einen Korrekturvorschlag zu erarbeiten. Jetzt, zwischen den Jahren, habe ich mir das ganze nochmal vorgenommen und … verstehe was passieren müsste und wundere mich immer noch, warum es bei diesem Rechner nicht funktioniert.

Sichten der Fakten
Die erforderlichen Informationen zu den Registern des CRTCs habe ich aus der CRTC-Dokumentation bei André Fachat entnommen, ein passendes 8032-ROM-Listing habe ich auf Zimmers.Net gefunden. Mit diesen Dokumenten bewaffnet habe ich mir die im Editor-ROM liegende Steuerzeichen-Auswerte­routine vorgenommen, um dem Problem auf den Zahn zu fühlen.

Der Code $0E, für CHR$(14), führt bei E5AE zu einem JSR $E07A (Textmodus) und der Code $8E, für CHR$(142), führt bei E5F1 zu einem JSR $E082 (Text/Grafik-Modus). Die entscheidende Stelle im ROM-Listing (8032 mit Business-Tastatur) sieht dann so aus:

; Initialize CRTC (Gross/Klein) -- (57466)
 E07A    iE07A    LDA #$2A    ; CRT-Init-Tabelle Low
 E07C             LDX #$E7    ; CRT-Init-Tabelle High
 E07E             LDY #$0E    ; Charset 2 (POKE 59468,14)
 E080             BNE $E088

; Initialize CRTC (Text/Grafik) -- (57474)
 E082    iE082    LDA #$3C    ; CRT-Init-Tabelle Low
 E084             LDX #$E7    ; CRT-Init-Tabelle High
 E086             LDY #$0C    ; Charset 1 (POKE 59468,12)
 E088    iE088    STA $C7     ; Pointer: Tape Buffer/ Screen Scrolling
 E08A             STX $C8
 E08C             LDA $E84C
 E08F             AND #$F0
 E091             STA $D1     ; Length of Current File Name / Screen Temp Data
 E093             TYA
 E094             ORA $D1     ; Length of Current File Name / Screen Temp Data
 E096             STA $E84C   ; Select Charset (POKE 59468,Y)
 E099             LDY #$11    ; Update CRTC Register 0 - 17
 E09B    iE09B    LDA ($C7),Y ; Pointer: Tape Buffer/ Screen Scrolling
 E09D             STY $E880   ; 6545/6845 CRT    CHIP (59520)
 E0A0             STA $E881
 E0A3             DEY
 E0A4             BPL $E09B   ; Loop Register Update
 E0A6             RTS

; -    Video Chip Setup Table -- e07a        DATA (Gross/Klein)
 E72A             .byte 31 28 29 0F 27 00 19 20  ;1().'.. 
 E732             .byte 00 09 00 00 10 00 00 00  ;........
 E73A             .byte 00                       ;.

; -    Video Chip Setup Table -- e08a        DATA (Text/Grafik)
 E73C             .byte 31 28 29 0F 31 00 19 25  ;1().1..%
 E744             .byte 00 07 00 00 10 00 00 00  ;........
 E74C             .byte 00                       ;.

Die hier im Listing angegebenen „Video Chip Setup Tables“ entsprechen den Angaben im ROM edit-4-80-b-50Hz.901474-04-3681.bin. Es gibt allerdings weitere Editor-ROM-Varianten, die andere Setup-Werte enthalten, was entweder auf andere Bildschirmgrößen, eine andere Taktfrequenz (60 Hz statt 50 Hz), einen anderen CRTC-Chip-Hersteller oder auf den oben Rot markierten Parameter (für Register 9) zurückzuführen ist; bzw. auf eine Kombination dieser vier Faktoren.

Ziel erkannt Gefahr gebannt
Der Rot markierte Parameter legt die Anzahl der Rasterzeilen (-1) fest und ist genau der, den wir zur Lösung unseres Problems benötigen. Interessanterweise haben einige andere ROMs hier nicht das Datenpaar 9/7 sondern  8/7 hinterlegt, fügen also im Textmodus nur eine leere Zeile und nicht zwei ein, was wiederum Auswirkungen auf die anderen Parameter erklären könnte.

Die Lösung des beobachteten Problems für unserem speziellen Freund kann ich nicht überprüfen, da ich kein ROM-Image von diesem Rechner habe. Mein eigener CBM 8032, der ebenfalls eine Naturwissenschaftlich-Technische-Tastatur hat, zeigt leider auch nur noch Datenmüll und hat Teile seines ROM-Gedachtnisses verloren. Prinzipiell könnte es jedoch genügen, nach der Aktivierung des 40-Zeichen-Patches die Zahl der Rasterzeilen in Register 9 zu korrigieren. Das ginge mit zwei einfachen POKEs:

POKE 59520,9: POKE 59521,7 : REM Selektiere Register 9 & setze Wert 7

Ursachenforschung
Selbst wenn der Fix funktioniert, bleibt immer noch die Ursache für das seltsame Verhalten dieses Rechners zu ergründen. In VICE gibt es bekanntlich keine Probleme und von anderen Seiten ist mir bisher auch noch keine Klage vorgetragen worden. Um die Fehlerquelle einzukreisen, habe ich daher den Code des 40-Zeichen-Patches analysiert, um zu schauen, wie da die Register des CRTCs manipuliert werden.

Zu meiner Überraschung passiert im Patch eigentlich recht wenig spektakuläres. Zuerst wird die Routine bei $E082 angesprungen, was den Text/Grafik-Modus aktiviert. Damit sollten eigentlich die gefundenen Probleme nicht auftreten dürfen. Dann werden die Register 1 (Horizontal Display) und 2 (Horizontal Sync position) angepasst, um die Anzeige auf 40-Zeichen umzustellen und zu zentrieren. Der Rest ist das Umbiegen einiger Vektoren, um eine eigene Steuerzeichenerkennung zu etablieren, da u.a. die ROM-Routinen für Scrolling und Bildschirmlöschen durch solche für den 40-Zeichen-Modus ersetzt werden müssen. Auch die Steuerzeichen 14 und 142 werden deaktiviert, weil diese die CRTC-Standardwerte aktivieren und somit den 40-Zeichen-Modus ausschalten würden.

Dass der auf der CC und der Messe gezeigte CBM 8032 anders reagiert als er sollte, kann nur mit einem speziellen ROM erklärt werden. Möglicherweise wurden die Tabellen bei $E72a und $E73C vertauscht, vielleicht liegt ein Bit-Fehler im ROM vor. Ohne Zugriff auf den Rechner wird sich diese Frage nicht beantworten lassen. Zumindest ist jetzt klar, dass es kein Fehler im Patch ist und das ist ja auch irgendwie beruhigend.

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Disk-Image-Update (J.S.Games)

Das in meinem Blog-Beitrag zu den Spielen von Jim Summers verlinkte Disk-Image wurde von mir um ein Startprogramm erweitert. Es erlaubt die Auswahl eines der drei Spiele und startet auf einem CBM 8032 automatische das Programm “CBM4032 ANY HZ” von Wolfgang Guenther, um die Spiele auch auf diesem Rechner nutzen zu können.

Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Spielsteuerung eine naturwissenschaftlich-technisch Tastatur voraussetzt. Die im Spiel verwendete Tastaturabfrage basiert auf den Scan-Codes, also der absoluten Position der Tasten in der Tastaturmatrix. Diese ist bei den N-Modellen (naturwissenschaftlich-technisch) vollkommen anders aufgebaut als bei den B-Modellen (business). Folgerichtig zeigen auf einem Gerät mit Business-Tastatur die für die Spielsteuerung vorgesehenen Tasten keine Wirkung.

Das neue Startprogramm prüft daher auch die Tastaturversion und liefert bei Computern mit Business-Tastatur Informationen über die ersatzweise zu benutzenden Tasten. Damit kann man die Spiele zwar immer noch nicht ordentlich auf einem solchen Rechner spielen (dazu wäre ein echter Patch erforderlich), aber man wundert sich wenigstens nicht mehr, warum scheinbar nichts funktioniert.

Bilder des Startprogramms
Info- und Auswahlbildschirm des neuen Startprogramms.

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Ausgegraben: Star Spores

Auch wenn es sich nicht um Zeiträume von Jahrtausenden handelt, für die Computertechnologie entspricht ein Blick rund 35 Jahre zurück in die Vergangenheit der Betrachtung der antiken Hochkulturen durch einen Archäologen. [Die viel zu oft herbeizitierte Steinzeit möchte ich hier ausdrücklich nicht bemühen, die sei den mechanischen Rechenmaschinen vorbehalten.] Und so wie der Archäologe alte Siedlungsspuren sucht und dabei griechische Stelen oder Reste römischer Wehrtürme freilegt, so macht sich der Computer-Archäologe auf die Suche nach verlorener Software.

PET-Game: Astro-Rescue
Astro-Rescue: Mit der Rettungskapsel müssen Minenarbeiter zurück zur Orbitalstation gebracht werden. Ein Meteoritensturm läßt das zu einem lebensgefährlichen Unterfangen werden. Gesteuert wird mit [<] und [>] (auf dem PC im Emulator: [Ende] und [PgDn]). Die aus beiden Richtungen anfliegenden Meteoriten können abgeschossen werden. Die Feuertaste ist [Space].

Eine besondere Ausgrabung dieser Art verdanken wir Mr. Nop. Er erinnerte sich an drei Spiele aus dem Jahr 1982 für den Commodore PET, geschrieben von Jim Summers. Diese zeichneten sich durch, für die damalige Zeit durchaus respektable, visuelle Effekte aus. Doch nur zwei davon (Astro-Rescue und Slime) waren im Netz verfügbar. Star Spores hingegen blieb unauffindbar. Im Rahmen der Ermittlungen führte Mr. Nop mit dem Software-Autoren ein lesenswertes Interview (nachzulesen auf Commodore128.org); doch selbst dieser verfügte nicht mehr über den Programmcode.

PET-Game: Slime
Slime: Weltraumschleim breitet sich aus. Man hat keine Chance, doch die muss man nutzen. Gesteuert wird über den Ziffernblock (Num-Pad), geschossen mit [Space]. Mit [Q] und [W] kann man sein Schiff gegen bzw. mit dem Uhrzeigersinn drehen, um eine bessere Schußposition zu erreichen.

Letztlich führten die intensiven Nachforschungen dann doch noch zu einem Erfolg. Steve Gray offenbarte sich als Besitzer einer Originaldiskette und stellte die fehlende Programmdatei zur Verfügung. Die von Mr. Nop erzeugte Compilation mit allen drei Programmen von Jim Summers ist im Forum auf Commodore128.org oder hier herunterladbar. Alle drei Programme laufen auf den Systemen CBM 3001 bzw. 4001 Series (der Original PET wird nicht unterstützt). Damit konnte eine weitere Lücke in der Softwaredokumentation für CBM-Rechner geschlossen werden.

PET-Game: Star Spores
Star Spores: Alien-Angriff! Die Basis wird mit einer Doppelrohrkanone verteidigt. Gesteuert wird diese mit [<] und [>] (auf dem PC im Emulator: [Ende] und [PgDn]); gefeuert wird mit [Space]. Die Animation der Trümmerstücke beim Zerbersten der Doppelrohrkanone ist eine Effekt, wie er damals in dieser Perfektion nur selten geboten wurde.

Nachtrag (21.02.2013):
Das Disk-Image (s.o.) wurde überarbeitet. Es enthält jetzt ein Startprogramm.

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Oil’s Well (PET/CBM)

Mr. NOP hat heute im Commodore PET Alive! Forum ein neues PET Spiel veröffentlicht. Wie er selber meint: wohl 20 Jahre zu spät, um große Verbreitung zu finden. Das Spiel heißt OIL’S WELL und kann im Forum heruntergeladen werden (Anmeldung erforderlich). Das Spielprinzip ist bekannt, man bohrt sich in die Erde und muss dabei das Öl (kleine Punkte) fördern. Seltsame Kreaturen im Untergrund stören dabei. Trifft man sie mit dem Bohrkopf, werden sie zerstört, doch beißen sie in das Kabel, muss man die Bohrung abbrechen. Wurde alles Öl gefördert kommt der nächste Level. Das Spiel ist komplett in Assembler geschrieben und es existieren Versionen für den PET 2001, den CBM 3032 und den CBM 4032.

Oil’s Well Bohrung
Tief unter der Erde gibt es seltsame Kreaturen …

Da ich ein fauler Mensch bin, habe ich zum Testen das Originaldiskimage mit der Maus in den VICE-Emulator gezogen. Das erste Programm von der Disk startete automatisch und stürzte ab. Kein Wunder, habe ich doch standardmäßig den CBM 4032 eingestellt und das erste Programm ist für den PET 2001. Das schrie geradezu nach einer automatischen Systemerkennung und einem Einsatz für meinen CBM Checker. Es hat mich den halben Sonntag gekostet, das umzusetzen.

Oil’s Well Startprogramm
Das Startprogramm basiert auf dem CBM Checker

Das neue Startprogramm (bitte jetzt keine unflätigen Kommentare zu meinen begrenzten Fähigkeiten als Art-Designer) prüft nun den Rechnertyp und lädt die korrekte Programmversion nach. Als Dreingabe habe ich das Programm „CBM4032 ANY HZ“ von Wolfgang Guenther eingebaut und daher kann man Oil’s Well jetzt auch auf einem echten CBM 8032 spielen (die Emulation in VICE funktioniert diesbezüglich immer noch nicht richtig). Die neue Programmdiskette kann man direkt hier runterladen.

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