Archiv der Kategorie: Events

HE2016: Zahn der Zeit

Nichts hält ewig: Auch unsere geliebte Hardware ist leider nicht mit einer unendlichen Lebensdauer ausgestattet, auch wenn sie länger hält als ein modernes Smartphone oder manch andere Technik-Gimmicks der Neuzeit. Heute hat es einen meiner Monitore und einen C128 DCR erwischt. Der C128 gab beim Einschalten keinen Mucks von sich. Er hatte aber sowiso schon eine Herz-OP hinter sich und enthielt bereits ein PC-Netzteil. Insofern war es ein Kinderspiel diese durch ein neues zu ersetzen. Es erwies sich als kluge Entscheidung, dass ich damals gleich zwei baugleiche Exemplare erstanden hatte. Irgendwie hatte ich wohl geahnt, dass der PC-Schrott nicht lange hält. Beim Monitor muss der Schalter ersetzt werden. Ein typischer Defekt. Ersatzteile gibt’s bei Pollin. Skern hat den Schalter mit einem Kabel überbrückt, es muss hier ja weitergehen.

Sozialistische Hardware: Gestern kam Enno mit einem defekten Spielzeugauto Made in GDR vorbei. Das Problem war die Kabellenkung, der Bowdenzug war gerissen. Offenbar hat sich rumgesprochen, dass Skern ein technisches Multitalent ist. Auseinandernehmen, den Bowdenzug kürzen, wieder Zusammensetzen (der Punkt bei dem bei mir alle Projekte scheitern) und schon konnte man wieder im Kreis fahren.

Laser Toaster: Am Stand der Stiftung Jugend forscht gibt es jeden Tag andere Schülergruppen, die ihre Projekte vorstellen. Heute ist es eine Steuerung für Eisenbahnen gestern gab es einen Einkaufswagen, der über eine Hebevorrischtung das rückenschonende Be- und Entladen ermöglicht, und desweiteren eine Anlage zum Toasten und „Bedrucken“ von Toastbrot. Der „Drucker“ ist ein PC-gesteuerter Laser, der Bitmapgrafiken auf den Toast brennt. Da das ganze mit Transportbändern versehen ist, steht mit diesem Gerät einer „Serienfertigung“ von Lasertoasts nicht im Wege.

Laser-Toaster

Rettet das Steckmodul: Da Brainstorm von einem Programm auf Steckmodul eine Sicherheitskopie benötigte, stellte sich die Frage, wie man das am besten bewerkstelligen sollte. Das ROM hatte er schon ausgelesen, allerdings ließ sich das Programm nicht von Diskette starten sondern verlangte nach einem Modul. Um einen mühseligen Crack zu vermeiden, sollte daher ein CRT-File erstellt werden, um das ganze in ein Easy-Flash übertragen zu können. Nun hätte man dazu natürlich ein entsprechendes PC-Programm nehmen können, aber das kann ja jeder. Also wurde gestern von Skern ein Cartridge-File-Generator für den C64 geschrieben und heute erfolgreich getestet.

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HE2016: Megatrends

Modell + TechnikBlick über den Tellerrand: Als ich heute erstmals die Halle 5 in Richtung der anderen Messehallen verlassen habe, fand ich die nebenstehend abgebildete  Fußbodendekoration direkt vor dem Halleneingang. Das bestätigt meine Beobachtung vom Aufbautag. Die diesjährige Hobby und Elektronik ist die letzte mit diesem Namen. Das schreit geradezu nach einem Abschiedsbesuch!

Bastelstunde: Achtung Kinder, jetzt wird’s blutig! Denn heute musste eine PC-Gamer-Maus ihr Leben lassen. Die Maus mit 8 Zusatztasten (billig erstanden für 8 Euro) wurde ausgeweidet, um an die kleinen Mikroschalter zu kommen. Diese wurden dann etwas trickreich von Skern in einen störrischen Mini Competition Pro eingebaut. Jetzt funktioniert er wieder tadellos.

Der neue Megatrend: Man kann anhand des auf der Messe in Massen verhökerten Geraffels bestens die aktuellen Ramsch-Trends ablesen. Waren es früher die Tintenpatronen (die inzwischen fast schon ausgestorben sind) folgten Handyschalen (leider immer noch nicht ausgestorben) und Helikopter (jetzt abgelöst von Drohnen). Der Versuch, einen Autoscheibenwischer-Trend zu etablieren, scheiterte zum Glück. Ganz neu sind jetzt sogenannte Hoverboards. Es bleibt abzuwarten, ob das der neue Megatrend wird oder nur ein weiterer Rohrkrepierer. Wenn ich mich recht erinnere, sind solche Dinger mit der gleichen Regelmäßigkeit abgeraucht wie das Galaxy Note 7.

Lustige MiniBots: Miniatur-Roboter zum Selberbauen gibt es am Stand von Variobot zu sehen. Der Roboterbausatz „kaibibo“ benötigt keine Lötkenntnisse, da die Einzelteile über Steckverbindungen und unter Verwendung bunter Kabelbinder zusammengebaut werden. Die Steuerung nutzt Lichtsensoren, um schwarzen Linien zu folgen oder Helligkeit zu meiden. Da das ganze für nur 25 Euro auch noch recht preiswert ist, stellt es für Kinder einen idealen Einstieg in die Elektronik dar.

Kaibibo Mini-Bots

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HE2016: Alles wie gehabt

Keine Überraschung: Wie nicht anders zu erwarten, war der Stand der CCL schon 10 Minuten nach Öffnung der Messe vom Jungvolk dicht umlagert. Die Stühle am Bombmania Rechner waren alle besetzt und auch sonst wurde eifrig gedaddelt. Fazit nach 10 Minuten Hobby und Elektronik: Alles wie gehabt.

Nachahmer: Zwei Dinge sind mir gestern beim Aufbau unseres Standes in der Halle aufgefallen. Zum einen hat der Games for Families-Stand in diesem Jahr erstmals eine Retro-Ecke. Mit dabei: ein C64! Nebenan stehen Amiga, NES und Co. Und zum anderen …

Letztlich nicht wirklich überraschend: … sieht es so aus, als wäre die diesjährige Hobby und Elektronik gleichzeitig die Letzte! Jedenfalls taucht der Name „Hobby und Elektronik“ in einer Auflistung der Verbrauchermessen im kommenden Jahr – die ich im Waschraum an der Wand hängen sah – nicht mehr auf. Auch die „Modell Süd“ ist aus dem Messeherbst 2017 verschwunden. Stattdessen findet sich dort eine „Modell und Technik“-Messe, die offensichtlich beides ersetzen soll. Da heißt es abwarten und Tee trinken.

Voll verschärft: Wie schon im letzen Jahr, hat uns die Compinixe heute mit einem köstlichen, selbstgemachten Chili con Carne verwöhnt. Fast 15 Kilo (!) hatte sie in einem riesigen Topf zubereitet, um die Standbesatzungen von AMMS, VzEkC und CCL vor dem Hungertod zu bewahren. Wichtigste Zutat: Chili aus dem eigenen Garten. Damit die Chili überhaupt reifen konnten, mussten diese vor räuberischen Schnecken bewahrt werden. Wie Compinixe verriet, ist sie dafür an jedem regnerischen Abend (und davon hatten wir ja dieses Jahr reichlich) im Chili-Beet auf Schneckenjagd gegangen. Und das nicht einmal am Tag, sondern mehrmals zwischen Dämmerung und Dunkelheit.

Autorennen vorerst abgesagt: Ich könnte schwören, dass man vor einigen Jahren auf der Messe an jeder Ecke PC-Lenkräder nachgeworfen bekam. Wie auch immer, bis auf ein superteures Luxusmodell gibt es in diesem Jahr nichts was ich mittels Jocopod an einen C64 anschließen könnte. In meinem Keller liegt zwar ein PC-Lenkrad (und ich habe es sogar gefunden), aber das hat nur einen USB-Anschluß und ist damit für unsere Zwecke nutzlos, da wir eines mit Gameport benötigen.

Unendliche Geschichte: Seit vielen Jahren warten wir nun schon auf das ATmega128-Adapterboard für das IEC2ATA. Da das Layout schon lange vorliegt, war letztlich nur zu klären, wer die Platinen fertigen läßt und (!) bestückt. Vielleicht haben wir heute eine Lösung gefunden! Auf der Messe waren zwei Vertreter der Firma Aisler, die die Kleinserienfertigung von Platinen und für größere Stückzahlen auch die Bestückung und den Versand übernehmen. Zwar benötigt der Adapter auch danach noch etwas Handarbeit mit dem Lötkolben, da die untere Stiftleiste nicht maschinell bestückt werden kann, aber das Warten hätte endlich ein Ende. Skern hat schon mal die Laoutdateien übergeben und erwartet jetzt das Angebot. Hoffen wir mal das Beste.

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Das Hobby und Elektronik-Team ist endlich volljährig

Vor 18 Jahren, im Jahre des Herrn 1998, stand die CCL zum ersten Mal auf der Messe. Damit hat das Messeteam jetzt die Volljährigkeit erreicht (worauf wir mal einen heben sollten). Die Messe füllte damals (noch am Standort Killesberg) sieben  Hallen. Oliver hatte alles im Alleingang organisiert und die erste Nacht im Auto geschlafen, da er die geplante Unterkunft bei Sputnick nicht gefunden hatte.

Am nächsten Tag kamen Sputnick und weitere Mitstreiter hinzu und gemeinsam fuhr man abends zu ihm nach Hause. Erst wurde in einem Imbiss noch schnell eine türkische Pizza verspachtelt und dann ausgiebig am C64 gezockt (vor allem Ultimate Tron 64 zu sechst). Dann stellte sich allerdings heraus, dass das mit dem vermeintlichen Übernachtungsort wohl irgendwie ein Mißverständnis gewesen war. Sputnicks Mutter nahm es mit Humor, dass dass Haus der Familie nicht nur für den Abend sondern die ganze Nacht von einer Nerd-Invasion heimgesucht wurde (was uns eine eisige Nacht unter der nächsten Autobahnbrücke ersparte). Und am Morgen gab es sogar ein super leckeres Frühstück. Coole Mutter!

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Bilder von der H&E 2015

Man glaubt es kaum. Erst durch den gestrigen Beitrag ist mir aufgefallen, dass ich meine Bilder von der Hobby & Elektronik 2015 in Stuttgart bisher noch nicht online hatte. Das wurde jetzt endlich nachgeholt.

Die Tagesberichte zur H&E 2015 finden sich unter folgenden Links:
1. Tag: Überraschung
2. Tag: Make or Break
3. Tag: Menschenmassen
4. Tag: Eisige Zeiten

Das sollte doch ausreichend motivieren, um sich nächste Woche auf den Weg zu machen. 😉

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Hobby & Elektronik 2016

Hobby und Elektronik Banner 2016Kinder, wie schnell die Zeit vergeht! In weniger als einer Woche öffnen sich die Tore zur Hobby & Elektronik 2016. Vom 17. – 20. November wird Stuttgart wieder zu einem Zentrum des Retrocomputings. VzEkC, RETRO (GO64) und CCL zeigen im Stuttgarter MesseHerbst was es Altbewährtes & Neues in der Commodore-Welt gibt.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, was da so abgeht, sollte sich dazu meinen Beitrag Bilder von der HE 2014 anschauen, der weitere Links zu den jeweiligen Tagesberichten vom vorletzten Jahr enthält.

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La Linea on PET

Wer kennt sie nicht, die La Linea-Demo für den C64 von Breeze? Die atemberaubende Umsetzung der bekannten La Linea-Filme erfolgt dabei in Vektorgrafik. Auf einem PET bzw. CBM-Rechner läßt sich sowas nicht anzeigen, sollte man denken. Das stimmt, stimmt aber auch nicht. Statt einzelner Pixel hat man nur den Standard-CBM-Zeichensatz und statt Vektorgrafik ist allenfalls ein Abspielen von Einzelbildern (Streaming) möglich aber immerhin, es ist möglich. Jan Derogee, zeigte es auf der Classic Computing in Nordhorn auf seinem CBM 3032:

Zur Umsetzung dieses Projektes waren zwei Voraussetzungen zu erfüllen: 1. Die Realisierung einer ausreichend schnelle Übertragung großer Datenmengen und 2. Eine Methode, um den Originalfilm in PETSCII-Zeichensalat zu konvertieren.

La Linea Infoblatt (Vorschau) Wie man dem nebenstehenden Infoblatt entnehmen kann, wurde das erste Problem dadurch gelöst, dass  Jan Derogee auf die von ihm entwickelte Hardware Cassiopei zurückgriff. Das Gerät hängt zwar am Kasettenport, benutzt jedoch ein eigenes viel schnelleres Übertragungsprotokoll. Zusätzlich wurde noch ein Videoformat entwickelt, das eine Datenübertragung mittels Deltacompressing ermöglicht. Es werden dabei keine ganzen Frames (Einzelbilder) sondern nur veränderte Bildbereiche übertragen. Somit war eine ausreichende Bildrate gewährleistet. Das zweite Problem erledigt ein PC. Jan hat dazu ein noch unveröffentlichtes Programm in Visual Basic geschrieben, dass ein Video in Einzelbilder splittet und diese jeweils in ein Schwarz-Weiß-Bild konvertiert (mit Dithering). Diese Bilder wiederum werden in 1000 Kacheln (40×25) zerlegt, die jeweils ein 8×8 Bitmuster repräsentieren. Jedes so erhaltene Bitmuster wird dann durch das bestpassende PETSCII-Zeichen ersetzt. Wie man oben sehen kann, ist das Ergebnis durchaus beeindruckend.

Aufgrund der limitierten Passgenauigkeit der PETSCII-Zeichen nimmt die Bildqualität so erzeugter Videostreams stark ab, wenn die Videos zu detailreich werden. La Linea ist daher diesbezüglich ein dankbare Vorlage. Eine erhöhte Videoqualität ergäbe sich mit einem optimierten Zeichensatz. Sowas funktioniert dann allerdings nicht mehr mit einem CBM-Rechner jedoch gut mit einen C64. Und deshalb ist im PC-Programm die optionale Erzeugung eines optimierten Zeichnensatzes bereits enthalten. Man darf daher gespannt sein, was da demnächst noch über den Bildschirm flimmert.

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Einer für alles: PetBus

Das, aus meiner Sicht, derzeit aufregendste neue Stück Hardware, das auf der Classic Computing gezeigt wurde – und es gab da starke Konkurrenz -, hatte Entwickler Stephane Ghenne aus Belgien auf seinem Tisch stehen: Eine quadratische Platine, den PetBus, der diverse Anschlussbuchsen für Commodore-Peripheriegeräte hat. Eigentlich waren es vier solcher Platinen, die über Netzwerkkabel verknüpft waren. An jedem PetBus hingen wiederum diverse Computer (CBM, C64) bzw. Floppies (1541, 1581, CBM 2031, SD2IEC).

PetBus-Platine
Nahaufnahme von der PetBus-Platine (V 1.0) mit ihren vielfältigen Anschlussmöglichkeiten

Der PetBus erlaubt es allen angeschlossenen Commodore-8-Bit-Rechnern auf jedes angebundene Floppylaufwerk (oder auch eine Drucker) zuzugreifen und löst gleichzeitig die IEEE488 vs. IEC-Bus-Problematik auf, die bisher spezielle (oft inkompatible) Steckmodule oder Speziallösungen erforderte. Aufgrund der Netzwerkfähigkeit ist das ganze auch über größere Entfernungen möglich bzw. skalierbar. Abgerundet wird das ganze dadurch, dass man auch virtuelle Laufwerke auf einem angeschlossenen PC einrichten kann.

Auf der CC wurde angeregt, den kabelgebundenen Netzwerkanschluss durch ein WiFi-Modul zu ersetzen. Ich persönlich würde mich eher über eine Unterstützung des C128-Burst-Modus oder von JiffyDOS freuen. Stephane selber denkt mehr über ein passendes Gehäuse nach. Allerdings wäre mir all das egal, wenn es den PetBus nur schon zu erwerben gäbe, doch bisher sind nur Prototypen verfügbar.

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Haut den Lukas … äh, Maulwurf!

„Smack a mole“, man könnte es auch „Maulwürfe verdreschen“ nennen, war eines der Spiele, die auf der Classic Computing meine Aufmerksamkeit erregte. Nicht wegen des Spielprinzips, das kennt man von schlecht gemachten PC-Spielchen, sondern wegen der Umsetzung mit einem „echten“ Hammer (und auf einem C64).

pic_smack_a_mole
Das Spiel hat einen Sommer- und einen Winter-Modus

Die Geschichte, die mir Jan Derogee auf der CC erzählt hat (bzw. was ich davon verstanden hatte) unterscheidet sich etwas von dem was er auf seiner Homepage schreibt, aber eines ist wohl sicher: das ursprünglich nur zu Demonstrationszwecken gebaute Arcade Cabinet mit Lightpen-Hammer, echten Arcade-Joysticks und -Buttons zum Ausklappen hat jetzt einen festen Platz in seinem Wohnzimmer. Und natürlich kann man damit auch jedes andere C64-Spiel genießen, denn im Arcade Cabinet verbirgt sich ein vollwertiger C64 mit Tastatur und Floppy-Laufwerk.

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Classic Computing in Nordhorn

Die Welt des Retrocomputings ist vielfältig. Es gib Partys, da wird gecoded und gefeiert. Es gibt Usertreffen, da wird gespielt und gequatscht. Und es gibt einmal im Jahr die Classic Computing (CC) wo man Geräte repariert, neue Hard- und Software präsentiert, Fachvorträge diskutiert und Besucher informiert. Hinter der Classic Computing steht der Verein zum Erhalt klassischer Computer e.V. (VzekC) und in diesem Jahr wurde die Veranstaltung am 17. und 18. September in Nordhorn, nahe der Niederländischen Grenze abgehalten.

Gefülltes Gebäude

Über mehr als 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügt der Veranstaltungsort, die Alte Weberei, und die wurden auch problemlos gefüllt. Auf mehr als 150 Tischen präsentierten die 80 privaten und etwa ein Dutzend gewerbliche Aussteller ihre Computer (das volle Programm von Apple II bis ZX 81) und Projekte bzw. die Waren. Nur wer sich selber einmal mit den Tücken und Problemen rund um die erforderlichen Genehmigungen eines Sonderverkauf am Wochenende herumschlagen musste, kann ermessen wie sehr sich hier die Organisatoren ins Zeug gelegt haben müssen.

Transparent am Eingang Die Alte Weberei Blick in die Halle (1) Blick in die Halle (2)
Ein großes Transparent weist den Weg…
… in die Hallen der alten Weberei
Innen tummelten sich am frühen Morgen…
… erst wenige Leute, was sich bald änderte

Nette Nachbarn

Die geographische Lage im Nordwesten Deutschlands führte zwar zu langen Anfahtswegen der Aussteller aus den östlichen und südlichen Bundesländern, doch dafür hatten es unsere westlichen Nachbarn nicht allzuweit und so wurde die Classic Computing 2016 auch zu einer internationalen Begegnung mit Niederländern, Belgiern und Franzosen. Nun sind speziell die Niederländer nicht nur für ihre Coffee-Shops sondern auch für excellente Hardwareentwicklungen bekannt. Und so ergab es sich, dass man auf der CC nicht nur mit Gideon Zweijtzer über seine 1541 Ultimate II+ und deren weitere Entwicklung diskutieren konnte (die fehlende Kompatibilität zum C128 besteht ja noch immer) sondern man konnte ihm auch über die breite Schulter schauen, wie er einige Exemplare fertigstellte (und mit etwas Glück auch gleich eine zum Sonderpreis erwerben).

Jan Derogee, der Entwickler der 1541-III und des Cassiopei hatte seinen Platz gleich nebenan. Er arbeitet derzeit an einer neuen Version des Cassiopei mit SD-Card und WiFi-Anbindung. Ein erster Prototyp liegt schon vor und er hofft, dass das Projekt in einem Jahr in einem verkaufsfähigen Produkt endet. Desweiteren präsentierte er einen selbstgebauten Spielautomaten, der eigentlich nur als Gag für einen Kindergeburtstag gedacht war, jetzt aber einen festen Platz in seinem Wohnzimmer hat. Das eigens für den Geburtstag programmierte Spiel benutzt als Eingabegerät einen zu einem Hammer umgebauten Lightpen (und funktioniert daher nicht mit einem LCD). Mit dem Hammer  muss man Maulwürfe „verkloppen“. Man kann sich unschwer vorstellen, dass das die Kids begeistert hat.

Als drittes Projekt zeigte er ein Video auf einem CBM-Rechner. Mit einem PC-Programm werden dazu zuvor die Frames eines Videos in die am besten passenden PETSCII-Zeichen konvertiert. Der Stream wird dann von einem Cassiopei in den Rechner geladen. Durch die begrenzte Auflösung und fehlende Graustufen eignen sich natürlich nur kontrastreiche und detailarme Vorlagen zur Konvertierung. Hier traf seine Wahl auf einen La Linea-Film. Das Ergebnis ist beeindruckend. Programm und Videostream sind noch nicht veröffentlicht. Allerdings habe ich das Video abgefilmt und werde das bei Gelegenheit hier publizieren.

Wer durch die Gänge der CC wandelte, dem fielen nicht nur bei den Holländern die vielen PET- und CBM-Rechner auf. Es scheint, dass dieser Rechnertyp noch immer eine große Fangemeinde hat. So nahm es nicht Wunder, dass auch Stephane Ghenne aus Belgien ein solches Gerät auf seinem Tisch stehen hatte, nebst C64 und allerlei Floppies. Verbunden waren die Geräte über eine quadratische Platine, den PetBus, der Anschlussbuchsen für IEEE488- und IEC-Bus hatte. Dazu kam allerdings noch eine Netzwerkbuchse und mit dieser waren wiederum zwei dieser Platinen vernetzt. Dieses Wunderwerk der Technik erlaubt es angeschlossenen Rechnern auf jedes angeschlossene Floppylaufwerk (oder Drucker) zuzugreifen. Und da das ganze netzwerkfähig ist, kann das auch im Keller stehen. Ich hätte ja gleich ein paar der Platinen gekauft, aber leider sind es noch Prototypen.

Zielgerichteter Zugriff

Alle die am ersten Tag der CC mit scharfem Blick die Auslagen der Händler inspizierten, hatten durchaus die Chance auf ein ausgefallenes Stück Hardware. Spiele, Bücher, Computer, Peripheriegeräte und Zubehör gab es zwar auch noch reichlich am Sonntag, doch die echten Schnäppchen hatten sich da schon andere gesichert. Eines davon, ein extrem seltenes VOTALKER Sprachmodul für den C64, angelte sich Stefan Höltgen aus Berlin, der auch noch weitere seltene Hardware seiner Sammlung hinzufügen und somit für die Computerwissenschaft retten konnte.

Votalker Modul Homebrew Programmierung Der Tisch von poly.play D42 Zusatzdisks (Protovision)
Das Schnäppchen in der Schachtel
Homwbrew: Flappy Bird und Bomberman 3
poly.play mit ersten Softwaretiteln
Protovision: Ergänzungen und Updates zu D42

Schöne Spielchen

Simon Augustin (Senil Data Systems) zeigte seine neuste Homebrew Software: Bomberman 3 für das NES und Flappy Bird für die Interton VC4000. Poly.Play präsentierte sich als neuer Publisher für Retrospiele und offerierte die Boxen der Spiele „Megatron“ und „Speeding On The A81„. Für letzteres Spiel gibt es auch eine DeLuxe-Version inklusive Jocopod. Jocopod ist Adapter zum Anschluss eines PC-Lenkrads (Gameport-Version) an den Analogeingang (für Paddles) des Commodore 64. Die Bezeichnung ist eine Abkürzung und steht für Joystick to Controlport Dongle. Für die nächste Veröffentlichung, Trap Them, konnte man schon mal die Verpackung bewundern. Die finale Version des Spiels liegt kurz vor der Fertigstellung.

Auch Protovision war mit einem ansehnlichen Stand vertreten. Ich weiß zwar nicht, wer Einhundert Euro für eine (seltene) CD von Chris Hülsbeck bezahlen möchte, aber die kostenlose Dreingabe zu meinem D42-System, eine Disk mit frei nutzbaren Musiken, habe ich gern mitgenommen. Ganz nebenbei gab es auch eine Update-Disk für das Programm. Jetzt müsste ich das ganze nur noch nutzen. Ebenfalls erhältlich war eine Blechbox mit dem Spiel Heroes & Cowards inklusive passend bedruckter Ernergy-Drink-Dose. Da beides in meinen Besitz übergewechselt ist, stehe ich jetzt vor dem Problem, ob ich die Dose nun leerterinken oder den Inhalt im gefüllten Sammlerstück verderben lassen soll. Laut Haltbarkeitsdatum kann ich mir mit dieser Entscheidung allerding noch etwas Zeit lassen.

Im erfrischenden Kontrast zu solchen Profiproduktionen stand ein „Star Wars“ Text Adventure, programmiert von einem 10jährigen Nachwuchsprogrammierer auf einem CBM-Rechner. Ganz klassischen endete das Erstlingswerk immer mit dem Tod des Helden. Ja, so haben wir alle mal angefangen.

Lebendes Lego

Zu all den historischen Computern bildete eine Schülergruppe vom Gymnasium Nordhorn den passenden Kontrapunkt. Der computerbegeisterte Nachwuchs präsentierte computergesteuerte Sensoren, Maschinen und Fahrzeuge. Beispielhaft seinen hier ein Roboter, der eigenständig den berühmten Zauberwürfel löste (was mir nie gelungen ist), und eine Apparatur zum Sortieren von Kleinteilen genannt. Das ganze wurde Mit Lego Mindstorms oder Arduino-Steuerungen umgesetzt.

Gelungenes Gesamtkonzept

Die Classic Computing wurde abgerundet durch die verschiedenen Fachvorträge, die am Samstag und Sonntag in einem Nebenraum gehalten wurden. Dort konnte man zum Beispiel etwas über die Implementierung des SID-Chips in einem FPGA erfahren (das Projekt war natürlich auch in der Ausstellung zu bewundern) oder über die Verwendung der Enigma im 2. Weltkrieg und was das ganze mit einem ZX Spectrum-Rechner zu tun hat. Ein weiterer fester Bestandteil der CC ist die Reparaturecke, die den alten Kisten wieder Leben einhaucht, wenn Einzelteile in den Siliziumhimmel entschwunden sind. Die Verfügbarkeit eines solchen Services ist nicht selbstverständlich und so ist es kein Wunder, dass manche Maschine auch nur aus diesem einen Grund nach Nordhorn gekarrt wurde.

Der Samstagabend, wenn die externen Besucher die Halle verlassen haben, ist traditionell der Jahreshauptversammlung des Vereins zum Erhalt klassischer Computer gewidmet. Die wurde nicht nur genutzt, um Stefan Both für die hervorragende Organisation der diesjährigen CC zu danken sondern auch, um die Planungen für die nächsten Jahre voranzutreiben. So wie es derzeit aussieht, besteht die gute Chance, dass die nächste Classic Computing wieder in Berlin stattfindet. Mal sehen, vielleicht bekommen wir dann ja Besuch von unseren östlichen Nachbarn (die produzieren ja auch interessante Hard- und Software).

Bilder von der CC 2016 gibt es auf C128.Net.

Weitere Berichte und einige Bilder finden sich auf computersammler.de und simulationsraum.de. Auf Golem (Wie Nordhorn für ein Wochenende zu Nerdhome wurde) kann man zudem ein kurzes Video betrachten. Ein weiteres, etwas längeres privates Video eines Teilnehmers umfasst einen kompletten Rundgang und ist auf YouTube zu finden.

Edit (02.10.2016):
– Einfügung von ein paar Bildern in den Text
– Ergänzende Links auf weitere Berichte zur CC2016

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