Tagesarchive: 18.9.2007

Retro#5: nur für Spieler

Retro#5Heute habe ich endlich die Zeit gefunden, mich mit der neuen Retro#5 (in meinem Fall als GO64! 07-09/07 betitelt) zu befassen, die am letzten Samstag im Briefkasten lag. Wieder wurden von der Redaktion 96 Seiten gefüllt und wieder war die CD so fest eingeklebt, dass es mir fast das Heft zerriß. Hier sollte man mal nach einem besseren Klebstoff suchen (bei anderen Magazinen geht es ja auch).

Nachdem die Retro#4 für mich eine ziemliche Enttäuschung war, war ich sehr gepannt auf diese neue Ausgabe. Beim ersten „durchblättern“, macht die Retro#5 einen handwerklich soliden Eindruck. [Was allerdings nicht für die (fehlende?) Rechtschreibprüfung gilt, denn Standard schreibt sich auch nach der Rechtschreibreform am Ende noch immer mit d und nicht mit t!] Und, oh Wunder, es gibt auch wieder drei echte Disketten im Umschlag! Doch dazu später mehr.

Leider war auch diesmal wieder der Inhalt für einen GO64!-Leser nur von begrenztem Wert. Von ehemals 2 Seiten mit CeVi-News (wie in der alten GO64) ist jetzt noch eine gute Spalte übrig. Wieder dabei das Thema „Videos bei YouTube“ (eine knappe Spalte für den C64). Auf den Seiten 20 und 21 findet man einen Bericht über die Restaurierung eines C64 (von Pentagon, auch nachzulesen im Forum64) und von Seite 73 bis 77 der 15. Teil der „C64-Retro-Game-Show“. Ein neunseitges „Longplay“ von Crazy News (mit vielen Tips und Tricks) beschließt den CeVi-Teil.

Wenn man sehr wohlwollend ist, kann man noch einen Bericht über eine Ausstellung von Spielkonsolen und Heimcomputer dazuzählen, immerhin kommt der Begriff C64 in der Einleitung einmal vor. Auch ein zweiseitiger Artikel zu H.E.R.O. (10% Text, 90% Füllgrafik) führt den Begriff C64 auf, doch letztlich dient der Bericht nur als Hinweis auf eine neue Windows-PC Variante des Spiels. Bleibt noch der wirklich gut gemachte Artikel zu ScummVM, einen Emulator für Lucas-Arts-Spiele. Immerhin kann man mit dem Emulator – eigentlich ist es eher ein Interpreter – viele vom C64 bekannte Spieletitel zocken. Doch letztlich bleibt mein Urteil unverändert: Die Retro liefert zu wenig CeVi für „drei Ausgaben“ der GO64! und ist viel zu sehr auf Spiele ausgerichtet. Hardware-, Software- und Szeneinfos fehlen fast völlig.

Auf der Heft-CD gibt es Spiele für PC oder MacOS. Es ist zwar ein C64-Verzeichnis vorhanden, dieses ist aber leer. Nicht einmal die Diskimages der drei beiliegenden Disketten sind vorhanden. Dabei wäre das dringend angeraten. Bei mir ließ sich nämlich eine der Disks nicht lesen und eine Seite zeigte mir als Titel „Go64 10/99“. Offenbar war der Kopiervorgang auf diese Recyclingdisk gescheitert und wegen fehlender Qualitätskontrolle wurde die „halbgare“ Ware trotzdem ausgeliefert.

Überhaupt enthalten die Disks viele kleine Ärgernisse. So ist die Seite 1 auf der Rückseite der Disk und Seite 2 wird als „SIDE B“ betitelt. Zudem wurden die Header mit Großbuchstaben aus dem Groß/Kleinschrift Zeichensatz erstellt. Das sieht „toll“ aus, da der Rest der Disk wie üblich im Grafik/Großschrift Zeichensatz angezeigt werden muss. So oder so, man erhält Kuddelmuddel. Warum DEL-Files mal 4 und mal 9 Blocks umfassen, weiß sicher auch nur derjenige, der diese schlampige Zusammenstellung verbrochen hat. Der Begriff „lieblos“ trifft vermutlich am besten die Haltung, mit der hier gearbeitet wurde.

Wie (leider) schon gewohnt, fehlt auch diesmal wieder jede Erklärung zu den Inhalten der Disketten und so ist das ganze natürlich wenig nützlich. Um diesem Mangel etwas abzuhelfen, hier ein paar Infos:

Die 07/07 enthält ein Demo (Industrial Revolution) von Smash Design (veröffentlicht auf der Breakpoint 2007). [Auf meinem C128D bekomme ich den zweiten Teil nicht zum Laufen, was an der Rechnerkonfiguration oder aber einer defekten Kopie liegen kann.] Zusätzlich hat man noch ein altes Spielchen von Welle:Erdball und drei Beiträge von der letzten Willow-Party (s.u.) auf die Disk gequetscht.

Die 08/07 liefert bei mir vor allem eines: Schrott. Die Disk läßt sich nicht ordentlich lesen.

Die 09/07 enthält auf Seite 1 diverse Grafiken und T-Paint, einen Zoom4FLI-Grafik-Editor. Zudem gibt es ein Spielchen namens Fishbone, das bei mir aber jedesmal abstürzt, wenn man mit dem Gegner zusammenstößt. Seite 2 enthält die Ergebnisse der Grafikcompo der Willow-Party (das ist alles auch in der CSDb zu finden).

6,95 Euro kostet eine Retro#5. Für Retrospielefreaks ohne Systembindung sicher eine lohnende Investition. Das Heft hat Highlights, wie den Bericht zu ScummVM oder einen Artikel zum Film TRON. Leider hat man es nicht geschafft, den Emulator oder TRON-Spiele auf die CD zu brennen. Heft und CD existieren somit bezugslos nebeneinander, anstatt ein harmonisches und sich ergänzendes Ganzes zu bilden.

Als GO64!-Abonnent frage ich mich aber immer noch, warum vier Ausgaben (ein Jahrgang) der Retro für 25 Euro erhältlich sind und mein GO64-Abo 59,64 Euro kostet? Im Go64-Shop werden als Gegenleistung dafür „5 Ausgaben inkl. 4 x CD-ROM + 12 Disketten“ versprochen. Das bedeutet also, es wird ein (1!) zusätzliches Heft geben. Und dieses Heft wird zusammen mit 12 Schlabberdisks den stolzen Preis von 24,64 Euro haben (errechnet aus der Differenz der Abopreise). Mein lieber Scholli! Das nenn‘ ich Inflation.

Veröffentlicht unter Mags | 1 Kommentar