Virusalarm aus Indien

Wer kennt sie nicht die besorgten Anrufe vom Microsoft Support, die seltsamerweise in schlechtem Englisch und dazu mit indischem Akzent daher kommen? Mir ist zwar schleierhaft, wie jemand in Deutschland auf die Idee kommen könnte, dass so ein Anruf „echt“ sei, aber das dauernde wiederauferstehen geschlossener Call-Center in Indien zeigt, dass es ein lohnendes Geschäft ist. Leider ist auch mein Name inklusive Telefonnummer bei diesen Verbrechern gelandet und so gibt es immer mal wieder solche Telefonate. Letzte Woche war es wieder so weit.

Dieses Mal hatte ich mir das Vergnügen gegönnt, das Gespräch etwas in die Länge zu ziehen. Vielleicht hilft das ja, und es hört endlich auf, ich habe aber nur wenig Hoffnung; zumindest belästigte dieser Anrufer in der von mir in Anspruch genommenen Zeit keine Unbedarften.

Der Anrufer stellte sich als Microsoft-Support-Mitarbeiter vor, sprach mich mit meinem Namen an und teilte mir mit, dass mein Rechner im Internet ein auffälliges Verhalten zeige. Ich zeigte mich entsetzt. Und schon sollte ich die Machine einschalten. Mein Hinweis, „this is a very old Computer,“ schreckte den Erstkontakthersteller nicht ab. Er fragte nach Internet und Google und ich bestätigte, dass mein Computer ins Internet kann und natürlich kenne ich Google.

Dann wollte er, dass ich die Windows-Taste drücke. Ich stellte mich dumm. Er fragte, ob ich die CTRL-Taste sehen könnte? Klar! Links unten. Daneben sei die Windowstaste. „No,“ erwiederte ich, „there is a big C, a Commodore Key!“ Irgendwie hatte er in der Schule nicht aufgepasst. Nach einigem hin und her wusste er nicht weiter und übergab mich an einen ‚Technician‘.

Der Techniker kannte sich wohl besser aus und fragte, ob ich einen Apple-Computer habe. Habe ich nicht! Eine Taste mit bunter Flagge hatte ich aber auch nicht zu bieten. Dann ließ er mich die Taste drücken, die ich hatte und ein paar Buchstaben eintippen: E V E N T. „I get a SYNTAX ERROR,“ war das von mir an ihn gemeldete Ergebnis. Dann sollte ich es mit dem Browser versuchen. Wieder: SYNTAX ERROR.

Irgendwann landete ich beim „Senior Technician“. Ich betonte nochmals: „This is a very old computer“. Auch meinen Hinweis auf die Einschaltmeldung „Commodore Basic V 2.0“ ignorierte er. Dass mein ‚Desktop‘ blau ist und einen Rahmen hatte war offenbar auch nicht hilfreich. Dann kam ich mit dem Holzhammer: „It is a C 64!“ … keinerlei Reaktion der Erkenntnis. Offenbar wird die Qualität der IT-Ausbildung in Indien maßlos überschätzt.

Da das mit dem Browser und Internet nicht klappte (wir erinnern uns: SYNTAX ERROR), wollte er mir ein eMail senden mit genauen Anweisungen zur Reparatur meines Rechners (ich sollte mir den Trojaner wohl selber installieren). Er wollte dazu meine eMail-Adresse haben.  Die wollte ich ihm nicht geben und so kam er nach einiger Zeit doch dahinter, dass er hinters Licht geführt wurde. „Are you kidding me?“ Er wiederholte es so oft, dass ich nicht umhin kam, es zu bestätigen. Dabei hatte er doch anrufen lassen, um mich zu ver…

Der Kampf gegen diese Halunken wird vermutlich nie enden, aber man kann sich immerhin einen Spaß damit machen, so wie auf Golem (Dirty Harry erklärt mein Windows für kaputt) oder digitech (Wie ich die Telefon-Betrüger in den Wahnsinn trieb) beschrieben. Was mich allerdings beunruhigt, ist die Tatsache, dass die meinen Namen und die Telefonnummer haben…

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