RETURN mit TimeWarp 9

Vor zwei Tagen erhielten alle Abonnenten der RETURN eine Mail mit der Ankündigung: „Ab Dienstag, den 05.06.2012 wird die Ausgabe 11 des RETURN Magazins verfügbar sein! Alle Abonnenten werden ab Donnerstag automatisch beliefert und können sich zum Wochenende auf die druckfrische Ausgabe 11 freuen!„. Man kann das auch im Forum64 nachlesen. Welch freudige Überraschung, dass dann alles viel schneller ging! Schon heute, also eine Woche eher als verkündet, lag die RETURN im Briefkasten. Da hat sich wohl jemand eine Zeitmaschine gebastelt?

Das Cover ist erfreulicherweise nicht augenkrebsig wie das letzte, aber trotzdem mit dem riesigen Atari-Logo im Hintergrund für eine Commodorianer schwer zu ertragen. Das war jetzt ein Scherz! Naja, eigentlich nicht wirklich *g*. Das Hauptthema des Hefts: 40 Jahre Atari. Da war natürlich nicht mehr allzuviel Platz für interessante Sachen (ach was bin ich wieder bös‘). Natürlich ist das Heft zu empfehlen!

RETURN #11 (2/2012); Bildquelle: RETURNAus dem Inhalt:

· Titelbericht: 40 Jahre ATARI
· Review: Adventures in Time (C16)
· Digitale Schreib-Kultur: Notemaker auf dem C64
· Die Geschichte von BASIC (Teil 1)
· Dragons Lair Arcade Automat
· Heftdisk Images ATARI & C64
· Partybericht Revision 2012
· The Art Of Video Games
· Bericht: Atari 400/800
· Interview: Simon Butler
· Crossover: Star Wars
· Think Analogue!
· Buchvorstellung: Zap! The Rise and Fall of Atari
· Durchgezappt: Die 8 schnellsten Racer in 8 Bit

In einigen Artikeln habe ich ein bisschen gestöbert, ganz durchgelesen habe ich bisher nur „Notemaker am Commodore 64“ und den Teil 1 zur Geschichte der Programmiersprache BASIC. Und da ist mir ein Bug aufgefallen, den man wohl nur einem Atarianer verzeihen kann, der gerade das 40jährige Jubelfest seines Lieblingscomputers gefeiert und dabei zu tief ins Glas geschaut hat. Da wird doch im letzten Absatz auf Seite 29 allen Ernstes behauptet: „Deshalb findet sich im ROM des Commodore PET sehr gut getarnt eine Routine, die nach ihrem Aufruf (CALL 6502) aus dem Einschaltlogo ‚COMMODORE BASIC‘ ein ‚MICROSOFT! BASIC‘ macht.“

So viele Fehler auf einmal, das muss man erstmal verdauen!

Fehler #1: CALL ist ein im Commodore BASIC 2.0 nicht implementierter Befehl. Da hat wohl jemand zuviel Apple II-BASIC programmiert (da ist CALL das äquivalent zu SYS). Gemeint hat der Autor den Befehl WAIT. WAIT benötigt jedoch mindestens zwei Parameter, also z.B. „WAIT 6502,10“.

Fehler #2: Betroffen war nicht der Commodore PET (2001 Series) sondern die zweite Generation der Commodore Computer, die in Europa (und die RETURN erscheint ja nun mal in Europa) als Commodore CBM 3001 Series vermarktet wurde und ein von MicroSoft nochmals überarbeitetes BASIC enthielt (schon damals war Bill Gates nicht in der Lage, ein bereits im ersten Anlauf halbwegs fehlerfreies Programm auf die Beine zu stellen).

Fehler #3: Keinesfalls wird aus der Einschaltmeldung ‚COMMODORE BASIC‘ ein ‚MICROSOFT! BASIC‘ gemacht (zumal die Einschaltmeldung ‚### COMMODORE BASIC ###‘ lautet). Das WAIT 6502-Easter Egg malt einfach das Bildschirm-RAM mit ‚MICROSOFT!‘ voll und startet dabei in der linken oberen Ecke ($8000). Die Anzahl der ausgegebenen ‚MICROSOFT!‘-Texte ergibt sich dabei aus dem zweiten Parameter des WAIT-Befehls (wobei 0 als 256 interpretiert wird). Ein WAIT 6502,1 ergibt also bestenfalls ein: ‚MICROSOFT!ORE BASIC ###‘.

WAIT6502-Easter Egg

All das kann man übrigens auch nachlesen auf WAIT6502 oder noch umfassender auf pagetable.com.

Der Artikel enthält noch einen weiteren Recherchefehler. Auf Seite 27, oben rechts, ist „das erste BASIC Programm“ abgebildet. Im Begleittext wird dabei auf einen GOTO-Loop-Fehler in Zeile 30 hingewiesen. Tatsache ist jedoch, dass das abgebildete Programm zu Lehrzwecken am Dartmouth College verwendet wurde. Die „GOTO-endlos-Schleife“ wird dreimal durchlaufen und endet dann mit einem NO DATA ERROR (siehe original BASIC-Manual, Seite 7). Der scheinbare Fehler war also pure Absicht. Bleibt immer noch die Hoffnung auf einen besser recherchierten zweiten Teil.

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3 Kommentare zu RETURN mit TimeWarp 9

  1. Stefan sagt:

    Der obigen pagetable-Link sagt aber auch, dass es der PET war und benennt die Ausgabe, die ich im Text zitiert habe. (Grund: Ich habe diese pagetable-Seite als eine Quelle benutzt). Dass es WAIT und nicht CALL war ist zugegeben mein Flüchtigkeitsfehler!

    http://www.pagetable.com/?p=43

  2. Stefan sagt:

    P.S. Jetzt habe ich das obige Post erst korrekt verstanden. Der Sachfehler liegt bei der CALL/WAIT-Verwechslung; die Frage nach PET und Bildschirmanzeige sind allein von der Perspektive abhängig. Danke für diese alternative Sichtweise!

  3. wte sagt:

    Die Frage PET/CBM ist tatsächlich eine „Standortfrage“. In Europa ist es halt CBM. Der Unterschied zwischen dem Ur-PET und dem PET 2001-N (CBM 3001 Series) ist allerdings gewaltig (Wechsel bei Groß-/Kleinschrift, neue Zeropage, diverses Bug fixing). Die Amis reden immer vom PET und dann sind es zwei verschiedene Maschinen. Da haben wir es leichter mit PET/CBM.
    Den Vorteil sollte man nicht aus der Hand geben 😉

    Bei der Bildschirmanzeige gibt es allerdings keine „Perspektive“. Wendet man den WAIT-Befehl nach einem Reset an, steht oben links noch die Startmeldung. Die erste Zeile lautet dann „### COMMODORE BASIC ###“ und nicht „COMMODORE BASIC“. Daraus kann dann allenfalls ein „MICROSOFT!ORE BASIC ###“ werden. Da gab es keine Absichten seitens Microsoft das „COMMODORE“ zu überschreiben, wie der Artikel impliziert. Der WAIT-Befehl funktioniert zudem immer, egal was der Bildschirm gerade anzeigt.

    PS: Auf der pagetable-Seite gibt es auch Screeshots, die den Effekt genau beschreiben.
    PPS: Deine Artikel auf Telepolis lese ich gern! 🙂

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